Krieg: Eine Notwendigkeit für das Kapital

Wenn 60.000 Individuen gegen 8 Milliarden Menschen eine Welle der Barbarei entfesseln

Verhandlungen? Keine Verhandlungen? Abgesagte Treffen… So sieht es derzeit mit den Beziehungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten aus. Zurzeit wird der Waffenstillstand aufrechterhalten, doch die militärische Mobilisierung der Vereinigten Staaten ist beträchtlich.

Die Drohungen von beiden Seiten nehmen zu.

Weltweit herrscht größte Verwirrung, die ihre Wurzeln in den Widersprüchen in Washington hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass Trump und der US-Imperialismus keine Ziele hätten. Sie haben durchaus eines.

„America First“

Die Vereinigten Staaten wollen ihre weltweite Position verteidigen, die bedroht und destabilisiert ist. Dieser politische Wille der USA erfordert eine Schwächung der Position der anderen Weltmächte.

Seit fast einem Jahr greift Präsident Trump seine europäischen „Verbündeten“ an: Er erhöht die Einfuhrzölle für europäische Länder, erhebt Anspruch auf Grönland, kürzt die eigenen NATO-Beiträge und droht mit einem Austritt aus dem Bündnis. Aber er führt auch eine Offensive gegen China, um dessen Position auf dem Weltmarkt zu untergraben.

Doch die Ziele des US-Imperialismus werden durch die Krise an der Spitze der USA selbst in Frage gestellt. Es handelt sich nicht nur um die Krise innerhalb der amerikanischen politischen Klasse, sondern um Widersprüche innerhalb der gesamten herrschenden Klasse der USA. Die Vereinigten Staaten sind von unten bis oben gespalten.

Das hindert den amerikanischen Imperialismus jedoch nicht daran – ganz im Gegenteil –, sich auf einen kriegerischen Vorstoß einzulassen.

Der Krieg, eine Notwendigkeit für das Kapital

Diese Kriege, die alle Kontinente erschüttern, breiten sich weltweit aus, als Notwendigkeit für das Überleben des globalen kapitalistischen Systems. Die Militarisierung zerfrisst den gesamten Planeten. Die Vereinigten Staaten zwingen ihren europäischen Partnern eine erhebliche Aufstockung ihrer Militärhaushalte auf 5% des BIP auf, eine Erhöhung ihres finanziellen Beitrags zur NATO und dabei vorrangig ihr militärisches Material aus den Vereinigten Staaten zu beziehen.

Mitten in Europa tobt in der Ukraine ein Krieg, in dessen Folge die Regierungen der EU-Länder Dutzende und Aber dutzende Milliarden aus den Sozialhaushalten abziehen, um die Eskalation des Krieges zu finanzieren.

Trumps Entscheidung, das amerikanische Militärbudget massiv auf 1.500 Milliarden Dollar zu erhöhen, zwingt auch China dazu, in das Wettrüsten einzusteigen, was seine ohnehin schon angeschlagene wirtschaftliche Entwicklung stark belastet.

Im Jahr 2025 beliefen sich die weltweiten Militärausgaben auf 2.887 Milliarden Dollar.

Diese Militarisierung ist für das Kapital der einzige Ausweg, um sein Überleben zu sichern. Denn die Rüstungsindustrie ist der Antriebsmotor der gesamten kapitalistischen Wirtschaft in einer Situation, die durch den Zerfall des Weltmarktes gekennzeichnet ist. Angesichts steigender Ölpreise kann jederzeit eine Finanz- und Wirtschaftskrise ausbrechen, die beispiellose weltweite Umwälzungen nach sich zieht.

Der Platz der Arbeiterklasse auf globaler Ebene

Alle imperialistischen Staaten befinden sich in einer tiefen Wirtschaftskrise, wie der industrielle Zusammenbruch Deutschlands, der bislang größten Industriemacht Europas, zeigt.

Die Wellen der Standortverlagerungen, die ganz Europa treffen, haben auch die Vereinigten Staaten erfasst. Manche ziehen daraus den Schluss, dass die Arbeiterklasse als produzierende Klasse quasi verschwunden sei.

In Wirklichkeit geschieht jedoch genau das Gegenteil: Die Arbeiterklasse, die den Mehrwert produziert, ist weltweit erheblich gewachsen. In vierzig Jahren hat sie sich verdoppelt. Nach übereinstimmenden Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und der Weltbank macht die Arbeiterklasse bei einer Weltbevölkerung von 8 Milliarden Menschen 3,3 Milliarden Menschen aus, also 40% der Weltbevölkerung.

Auf der anderen Seite besitzen die reichsten 0,01 Prozent dreimal so viel Vermögen wie der Rest der Menschheit. Diese 0,01 Prozent sind keine Abstraktion, sondern 60.000 eindeutig identifizierte Personen.

Im Konflikt zwischen Kapital und Arbeit, d. h. zwischen der kapitalistischen Minderheit und den arbeitenden Massen, liegt der Schlüssel zum Überleben der Menschheit. Die massiven Mobilisierungen, die auf allen Kontinenten und in allen Ländern gegen den Völkermord in Gaza stattfinden, sind Ausdruck eines Bewusstseinswandels der Massen weltweit gegenüber der imperialistischen Herrschaft.

Die Mobilisierungen in den Vereinigten Staaten gegen die ICE, jene in Europa gegen die kriegerische und reaktionäre Politik der Regierungen, die Volksaufstände in Afrika – all dies drückt das Bestreben der breiten Masse aus, sich gegen die Barbarei zu verteidigen.

„Proletarier aller Länder, vereinigt euch“!

Während die internationale Konferenz und Kundgebung gegen den Krieg am 19. und 20. Juni in London vorbereitet wird, erinnern wir uns daran, dass sich 1864 auf Initiative von Marx und Engels Aktivisten unterschiedlicher politischer Herkunft in London versammelt hatten: Marxisten, Sozialisten, Anarchisten, Gewerkschafter, Proudhonisten usw.

Sie verabschiedeten damals gemeinsam eine Gründungserklärung zur Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation.

„Die vergangene Erfahrung hat gezeigt, wie Missachtung des Bandes der Brüderlichkeit, welches die Arbeiter der verschiedenen Länder verbinden und sie anfeuern sollte, in allen ihren Kämpfen für Emanzipation fest beieinanderzustehen, stets gezüchtigt wird durch die gemeinschaftliche Vereitlung ihrer zusammenhangslosen Versuche. Es war dies Bewusstsein, das die Arbeiter verschiedener Länder, versammelt am 28. September 1864 in dem öffentlichen Meeting zu St. Martin’s Hall, London, anspornte zur Stiftung der Internationalen Assoziation.“

Wir sehen uns am 20. Juni in London!

Lucien Gauthier

Veröffentlicht in Soziale Politik & Demokratie Nr. 549 vom 18. Mai 2026